Strom und Stall – Wenn Landwirte Energie ernten
29. Oktober 2012

Strom und Stall – Wenn Landwirte Energie ernten

Sie stellen Windräder auf Äcker und pflanzen Mais, um daraus Biogas zu machen: Für Landwirte sind die erneuerbaren Energien ein lohnendes Geschäft. Wir haben die Hotspots ihrer Energieerzeugung  auf einer Karte verzeichnet.

Wer an Landwirtschaft denkt, hat Kühe, Felder und Traktoren vor Augen. Dabei halten Nordrhein-Westfalens Bauern heute nicht mehr nur Vieh und bauen Getreide an – jeder fünfte von ihnen produziert inzwischen Energie aus regenerativen Quellen. Die Energiewirte profitieren davon, dass sie den Strom zu festen Preisen verkaufen können, während Milch- und Getreidepreise stark schwanken. Für manche Bauern ist das Geschäft mit der Energie deswegen sogar zur wichtigsten Einnahmequelle geworden.

Kein Wunder, dass sie immer mehr Anlagen aufstellen, um aus Sonne, Wind und Mais Strom zu machen. Allein im Rheinland betreiben Landwirte nach Angaben der Landwirtschaftskammer und des Statistischen Landesamts 93 Windräder, 1889 Solar- und 69 Biogasanlagen. Die meisten Anlagen stehen im Landkreis Kleve an der Grenze zu den Niederlanden – dort haben wir drei Bauern besucht.

Der Solarbauer

Der Windbauer

Der Biogasbauer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Solarenergie

7323 Solaranlagen betreiben die Bauern in NRW und erzeugen mit ihnen Strom oder Wärme. Oft besitzen sie große Ställe und Scheunen, auf denen Solarzellen der prallen Sonne ausgesetzt sind. Bis 2010 konnten sie die Module auch noch auf ihren Äckern montieren – heute lohnt sich das nicht mehr für sie. Seit einer Gesetzesänderung müssen die Netzbetreiber Strom von solchen Freiflächenanlagen nicht mehr abkaufen.

 Jede vierte Anlage steht im Rheinland, allein 478 gibt es im Landkreis Kleve. Dort sind die Bedingungen besonders günstig: 995 Kilowattstunden Sonneneinstrahlung pro Quadratmeter Fläche misst Kleve jedes Jahr. Zum Vergleich: Der Kreis Olpe hat mit 935 Kilowattstunden Sonneneinstrahlung pro Quadratmeter den schlechtesten Wert in NRW.

Aber nicht nur die Sonne sorgt dafür, dass Solarenergie für Bauern attraktiv ist: Förderprogramme und günstige Kredite erleichtern den Bau der Anlagen, die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz garantiert feste Einnahmen. Wer beispielsweise im Jahr 2004 eine Solaranlage auf seinem Dach installiert hat, bekommt bis zu 57 Cent für jede Kilowattstunde – je nach Größe der Anlage. Wer seine Anlage dagegen erst heute baut, erhält nur noch etwa 20 Cent. Weil aber auch die Preise von Photovoltaikanlagen in den letzten fünf Jahren um 65 Prozent gesunken sind, lohnen sich die Investitionen nach wie vor. Erst 20 Jahre nach dem Bau endet die Vergütung – wie viel die Landwirte dann für ihren Strom bekommen, ist unklar. Sie werden dann Preise mit den Netzbetreibern aushandeln oder ihren Strom selbst nutzen müssen.


Energiewirte auf einer größeren Karte anzeigen

Biogasanlagen

238 Biogasanlagen haben Landwirte 2011 in NRW gebaut – so viele wie nie zuvor. Grund: Wer seine Anlage noch vor 2012 errichtet hat, erhält nach Angaben des Fachverbands Biogas im Schnitt 22 Cent pro Kilowattstunde Strom – 20 Jahre lang. Wer hingegen heute eine Biogasanlage baut, bekommt durchschnittlich zwei Cent weniger.

Insgesamt gibt es nach Angaben der Landwirtschaftskammer in NRW 573 Biogasanlagen, die von Landwirten betrieben werden, die meisten stehen im Münsterland. In ihnen zersetzen Mikroorganismen Mais, Gülle oder Getreide. Dabei entsteht Gas, das sich zu Erdgas veredeln oder zur Produktion von Strom verwenden lässt. Knapp 1,83 Millionen Megawattstunden erzeugten die Bauern in NRW so im vergangenen Jahr – genug, um eine halbe Million Zwei-Personen-Haushalte ein Jahr lang zu versorgen.

Allerdings sind Biogasanlagen umstritten: Weil die Landwirte in NRW inzwischen ein Viertel ihrer Maisernte für die Produktion von Biogas verwenden, sind Naturschützer aufgebracht. Sie fordern, stattdessen Abfälle aus der Landwirtschaft oder von privaten Haushalten in die Biogasanlagen zu füllen. „Wir sollten erst mal diese Potenziale erschließen, bevor wir Energiepflanzen produzieren“, verlangt etwa Dirk Jansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz NRW.

Windenergie

2820 Windkraftanlagen stehen laut Bundesverband Windenergie in Nordrhein-Westfalen, jede fünfte wird von Landwirten betrieben. Zusammen erzeugen sie vier Prozent der Energie, die das Land benötigt. Dieser Anteil soll nach Plänen der rot-grünen Landesregierung bis 2020 auf 15 Prozent ansteigen.

Landwirte könnten dazu einen wichtigen Teil beitragen, denn die Windräder benötigen kaum Platz und machen Ackerbau und Viehzucht so kaum Konkurrenz. Allerdings sind Windräder nicht gerade günstig: Durchschnittlich 4,6 Millionen Euro kostet eine Anlage nach Angaben der Landwirtschaftskammer NRW im Schnitt. Weil diese Kosten kaum jemand alleine tragen kann, werden die Windräder im Regelfall durch mehrere Landwirte finanziert. „Für Landwirte wird sich Windenergie auch in Zukunft lohnen“, ist Stefan Blome überzeugt, Windkraftexperte von der Landwirtschaftskammer.

Aktuell bekommt ein Landwirt nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz pro Kilowattstunde Strom im Durchschnitt zehn Cent. Das ist zwar weniger, als es für Strom aus Solarzellen oder Biogasanlagen gibt, dafür leisten Windräder gemessen an den Investitionskosten mehr. Auf ein Jahr verteilt produziert eine Anlage rund sechs Millionen Kilowattstunden Energie – damit lassen sich im selben Zeitraum mehr als 1800 Zwei-Personen Haushalte versorgen.

One Response to “Strom und Stall – Wenn Landwirte Energie ernten”

  1. Als Dipl.-Ing. Kerntechnik und Apparatebau mit 25 Jahren Erfahrung im Kraftwerksbau und mit inzwischen 20 Jahren Erfahrung als eherenamtlicher Energieberater in meiner Heimatstadt Bergneustadt, sowie als Betreiber von sechs PV-Anlagen und einer Solar-Warmwasseranlage auf unserem Einfamilien-Reihen-Endhaus sehe ich das Heizen mit Holz oder Pellets nicht so kritisch wie herr Wohlleben: Die Voraussetzung für das Heizen mit Holz muß sein, zunächst den “Wärmehunger” unserer Häuser ganz entscheidend zu senken! Auch dazu kann ich Erfahrungen beitragen. Seit 1980 habe ich unser Reihenhaus rundum “eingepackt” mit einer sehr sorgfältig erstellten Außenwärmedämmung, so wie sie in der unabhängigen Empfehlung der Verbraucherzentralen_Broschüre “Feuchtigkeit und Schimmelbildung” auf Seite 24 für den Passivhaus-Standard empfohlen ist! Das Ergbenis: Unser Heiz-Wärme-Bedarf ist AUF EIN SIEBTEL gesunken. Und das ist es, was erst erfüllt sein muß: Dann ist auch der BEDARF an Heizmaterial ohne “Druck” auf unserer Wälder zu decken!
    Mit regenerativen Grüßen an alle Autoren/Innen von “NeunKW”
    Klaus Schweim

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