Der Stromsparmeister
29. Oktober 2012

Der Stromsparmeister

Seit 30 Jahren ist Christian Stahl unermüdlich dabei, sein Haus zum Energiewunder auszubauen. Das Gebäude in Köln-Godorf aus den 80er Jahren ist mittlerweile energieeffizienter als so mancher Neubau. Mit ein paar ganz einfachen Mittel zeigt er, wie jeder Hausbesitzer tausende Euros sparen kann.

Hätte Christian Stahl ein Motto, es wäre „Do it yourself“. Der Mann mit dem Heimwerker-Gen hat quasi immer etwas zu tun. Er isoliert Rohre, montiert Fenster oder schraubt an der Heizung herum. Eine freie Sekunde, in der er nicht herumwerkelt, gibt es selten. Und selbst, wenn er mal kurz zur Ruhe kommt – wie jetzt, da er zurückgelehnt auf seiner Couch im Wohnzimmer sitzt – erzählt er von Hocheffizienzpumpen, Niedertemperaturkesseln und Kraft-Wärme-Kopplung. Die Augen des 62-Jährigen leuchten, sobald er vom Energiesparen spricht.

Stahls Leidenschaft kommt nicht von ungefähr: 40 Jahre lang arbeitete der Godorfer als Industriemeister in der Mineralölindustrie und gab Unternehmen Tipps, wie sie ihren Verbrauch senken können. Diese Tipps setzte er auch zu Hause um – zu einer Zeit, in der das Thema Energiesparen noch keiner so richtig ernst nahm.

Christian Stahl vor seinem Haus – seit drei Jahrzehnten ist er dabei, es zum perfekten Energiesparhaus zu machen.

Der Visionär wusste schon früh, was er will. 1980 bezogen er und seine Frau ein Reihenhaus in Godorf. „Direkt danach habe ich die Heizungsrohre isoliert, damit weniger Wärme verloren geht“, erklärt der Rentner und zeigt auf silbern glänzende Rohre im Keller. Die Decke hat er mit Mineralwolle gedämmt. Sie hält die Wärme in den oberen Etagen des Hauses und sorgt für warme Füße im Erdgeschoss. Aber das hat Stahl noch lange nicht gereicht.

„Dann habe ich mich mit der Heizung an sich befasst“, sagt Stahl, und deutet auf die Heizkörper am anderen Ende des Raumes. Die Abgaswerte seien einfach zu hoch gewesen, ein neuer Brenner und eine neue Heizregelung mussten her. „Meine Freunde hielten mich für verrückt und fragten, was mir das überhaupt bringen würde“, erinnert sich der 62-Jährige. Denn damals, Mitte der 1980er, war Heizöl noch deutlich günstiger als heute. Man konnte es sich also leisten, einen hohen Verbrauch zu haben. „Aber ich wusste“, sagt Stahl,  „irgendwann wird sich das rechnen“.

Energielecks stopfen     
Stahl sollte Recht behalten. In den folgenden 30 Jahren stieg der Preis von Heizöl auf das Sechsfache: Stahl zahlt mittlerweile rund 90 Cent je Liter. Für ihn ein Skandal, zugleich aber auch Ansporn, weitere Energielecks in seinem Haus zu stopfen. 1993 entschied er sich deswegen, einen neuen Niedertemperaturkessel zu kaufen und den Wechselbrandkessel zu ersetzen. Seit fast 20 Jahren steht das orange Ungetüm jetzt in seinem Keller. Das Besondere an dem Kessel ist, dass er seine Wärmeerzeugung der Jahreszeit anpasst: Je nach Witterungsverhältnis werden unterschiedliche Vorlauftemperaturen benötigt, um das Gebäude zu erwärmen. Der Niedertemperaturkessel heizt das Wasser des Heizsystems deswegen nur soweit auf, wie es aufgrund der Außentemperatur notwendig ist.

Doch auch damit wollte sich der Rentner noch lange nicht zufrieden geben. Schließlich will er nicht nur die Umwelt, sondern vor allem sein Portemonnaie schonen. Im Jahr 2006 ersetzte er deswegen seine normalen Fenster durch eine Wärmeschutzverglasung und dämmte das Obergeschoss mit Styropor.

Stahl motzte sein altes Haus ordentlich auf. „Doch im Endeffekt sieht man diese ganzen Veränderungen überhaupt nicht“, sagt Stahl und deutet mit seinem Zeigefinger auf seine Terrassentür, die aussieht wie jede andere. „Allein auf dem Konto sind die Umbaumaßnahmen danach sichtbar.“

Nachdem das Obergeschoss gedämmt war, machte sich Stahl erneut an die Heizung: „Ein hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage ist unverzichtbar“, erklärt er fachmännisch. Durch den Abgleich wird jeder einzelne Heizkörper mit der richtigen Wassermenge und dem richtigen Druck versorgt, damit sich die Wärme gleichmäßig in der ganzen Wohnung verteilt. Dafür bestimmte Stahl zunächst die Heizlastberechnung für jeden Raum. Wichtig dabei sind vor allem die Dämmung des Daches und der Außenwände sowie die Heizkörpergröße. Im Anschluss konnte er die Heizwassermenge für jeden Raum anpassen und der optimale Druck der Heizungspumpe bestimmt werden. Diese ermittelten Werte stellte er dann an den Thermostatventilen ein.  „Zum Glück konnte ich das alles selbst machen“, sagt der frühere Industriemeister. Ein solcher Abgleich vom Fachmann koste sonst mindestens 500 Euro.

Stromschlucker abstellen
Doch es müssen ja nicht immer große Investitionen sein, um Geld und Energie zu sparen. „Kleinvieh macht auch Mist“, sagt Stahl. „Geräte wie Fernseher oder Computer schlucken auf Dauer sehr viel Strom“. Der 62-Jährige achtet daher immer darauf, die Standby-Funktionen auszuschalten.

„Am schlimmsten sind aber die alten Geräte“, sagt Stahl, „die entwickeln sich oft zu wahren Stromfressern.“ 2006 haben Stahl und seine Frau sich deswegen eine neue Küche gekauft. „Mit den effizienten Elektrogeräten haben wir bis jetzt mehr als 1.000 Kilowattstunden Strom gespart“, berichtet der 62-Jährige stolz. Diese Menge reicht, um 1000 Maschinen Wäsche zu waschen oder alternativ 15.000 Hemden zu bügeln.

Zwar verbraucht Stahl heute deutlich weniger Strom als noch vor dreißig Jahren. „Allerdings ist der Preis in den letzten Jahren so stark gestiegen, dass ich unter dem Strich genauso viel bezahle wie früher“, sagt der 62-Jährige.

Für Stahl haben sich die Maßnahmen dennoch gelohnt. Früher verbrannte er 4000 Liter Heizöl im Jahr – heute sind es nur noch 1.850 Liter“. Weil er seinen Verbrauch um mehr als 50 Prozent senken konnte, hat Stahl sogar einen Wettbewerb gewonnen. Seit 2010 trägt er den Titel „Energiesparheld“ – eine Auszeichnung für die besten Energiesparer Deutschlands. Mehr als 50.000 Menschen haben sich bei der Kampagne mittlerweile angemeldet, die vom Bundesministerium für Umwelt, Natur und Reaktorsicherheit gefördert wird (www.energiesparclub.de). Klar, dass Stahl dort nicht fehlen durfte.

Auch finanziell haben sich die Investitionen ausgezahlt. Unterm Strich habe er seit dem Hausbau 25.000 Euro gespart, hat Stahl ausgerechnet. Was er mit dem Geld machen will? „Ich plane eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und Solarkollektoren zur Warmwasserbereitung“, sagt der umtriebige Rentner. „Außerdem will ich einen Ölbrennwertkessel einbauen.“ Der Mann mit der Vorliebe fürs Sparen wird sich also auch in Zukunft nicht auf seiner Wohnzimmercouch ausruhen.

One Response to “Der Stromsparmeister”

  1. elektriktrik sagt:

    genau – der brennwertkessel fehlt und das seit jahren! ansonsten klasse!

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