Netze
29. Oktober 2012

Waschen wenn der Wind weht – Wie Stromnetze in Zukunft mitdenken

Wind und Sonne werden in Zukunft  jede Menge Strom produzieren. Doch sie sind nicht gleichmäßig rund um die Uhr verfügbar.  Stromnetze und Geräte, die Energie dann abrufen, wenn viel davon da ist, sollen das Verteilungsproblem intelligent lösen. In Aachen starten die ersten Versuche.

Am meisten Strom verbrauchen die Deutschen in der Mittagszeit. Also wird mittags eben entsprechend mehr Kohle in die Kraftwerks-Öfen geschaufelt als nachts. „Bislang wurde einfach so viel Strom produziert, wie gebraucht wurde“, sagt Hauke Hinrichs, der bei den Aachener Stadtwerken arbeitet. Aber die Regierung hat einen ehrgeizigen Plan: In acht Jahren soll ein Drittel des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen. Doch Sonne und Wind richten sich nicht danach, wann wir ihre Kraft zum Kochen, Waschen und Computerspielen brauchen. Im Gegenteil: Wir werden uns nach ihnen richten müssen.

Die Aachener Stadtwerke suchen zusammen mit fünf anderen Unternehmen und der RWTH Aachen nach Wegen, den Strom möglichst intelligent zu verteilen. Das Forschungsprojekt „Smart Watts“ ist Teil eines Mammutprojekts zur Entwicklung intelligenter Stromnetze, das vom Bundeswirtschaftsministerium mit 140 Millionen Euro finanziert wird. Es geht dabei, so Wirtschaftsminister Rösler (FDP), um nicht weniger als die Garantie, auch nach der Energiewende die Versorgung mit Strom sicherstellen zu können.

Jede Stunde ein anderer Strompreis

Kern des Projekts ist die sogenannte Lastverschiebung. „Das Ziel muss sein, dass der Stromverbrauch sich der Erzeugung anpasst“, erklärt Hauke Hinrichs von den Aachener Stadtwerken. Besonders geeignet für diese Lastverschiebung sind Geräte, die viel Strom verbrauchen, bei denen es aber nicht so wichtig ist, wann sie laufen. Dem Verbraucher kann es unterm Strich egal sein, ob Spülmaschine oder Waschautomat direkt nach dem Abendessen starten oder erst um drei Uhr morgens, wenn der Wind vor der Küste weht und Strom in rauen Mengen produziert.

Das „Smart Watts“-System wird als Feldversuch in 500 Aachener Haushalten getestet. Sie sollen Strom möglichst dann verbrauchen, wenn viel davon zur Verfügung steht. Damit die Kunden den optimalen Zeitpunkt nutzen, ändert sich bei den Versuchsteilnehmern der Strompreis ständig: Ist viel Strom da, ist er billig, ansonsten hoch. Den Strompreis für die kommenden 24 Stunden kann jeder Teilnehmer jeweils per App abfragen, um seine Geräte entsprechend programmieren zu können. Erfährt er zum Beispiel, dass der Strom nachts für einige Zeit 14 Cent pro Kilowattstunde kostet, während er um 21 Uhr noch bei 25 Cent lag, stellt er die Waschmaschine auf Start bei 14 Cent ein. Braucht er ausnahmsweise tagsüber plötzlich saubere Klamotten und startet die Maschine um 15 Uhr, muss er möglicherweise sogar in den saureren 30-Cent–Apfel beißen. In jedem Fall also behält der Kunde das Zepter über seine Geräte in der Hand: Er kann sie intelligent bedienen, muss aber nicht.

So sieht die intelligente Steckdose aus. Sie wird einfach auf die normale Dose aufgesteckt und stellt die Verbindung zwischen Gerät und Benutzer her.

Mit dieser App kann der Kunde für jedes einzelne Gerät genau steuern, bei welchem Strompreis es loslegen soll. Gleichzeitig wird ihm der vorausberechnete Strompreis für die nächsten 24 Stunden und sein Verbrauch angezeigt.

 

Die Feldversuchs-Häuser werden mit einem sogenannten intelligenten Stromzähler ausgerüstet, wie er seit 2010 in jedem Neubau vorgeschrieben ist. Er zeichnet den Stromverbrauch detaillierter auf als ein klassischer Stromzähler. Intelligente Steckdosen, so groß wie eine Zeitschaltuhr, werden auf die normale Steckdose gesteckt und verbinden das angeschlossene Geräte mit der iPad-App.

Im Hintergrund entsteht eine Art Internet der Energie. „Es geht vor allem um Information“, erklärt Robert Delahaye von der Firma Utilicount, die das „Smart Watts“-Projekt koordiniert. „Es wird nicht länger nur Strom transportiert, sondern daran gekoppelt auch Informationen. Wir nennen das intelligente Kilowattstunde.“ Der Stromzähler versorgt eine Datenzentrale mit den Verbrauchszahlen des Haushalts.  Die wiederum werden mit Daten über die Stromproduktion zusammen geführt, so dass Angebot und Nachfrage gegenübergestellt werden und die Preise für die nächsten 24 Stunden kalkuliert werden können. In jeder Kilowattstunde kann auch gespeichert sein, woher die Energie stammt.

2020 soll das System flächendeckend funktionieren

Irgendwann sollen die intelligenten Netze, die Smart Grids,  Standard sein.  „Wir reden in etwa vom Jahr 2020, wenn wir daran denken, wann unser System tatsächlich flächendeckend angewendet werden kann“, sagt Robert Delahaye. Intelligente Stromzähler gibt es zwar schon länger, doch zum Beispiel existieren außerhalb des Versuchs noch keine derart flexiblen Stromtarife. Damit die Haushaltsgeräte aber dann, wenn es so weit ist, auch in der Lage sind,  untereinander zu kommunizieren, arbeiten die Aachener mit der Kölner Firma Kellendonk zusammen. Die dort  entwickelten Kommunikationsmodule bauen Firmen wie Miele schon heute in ihre Haushaltsgeräte ein. Sie tragen das Label „SG Ready“: Bereit für Smart Grids.

Das Titelbild ist lizenziert mit CC-BY-2.0

6 Responses to “Waschen wenn der Wind weht – Wie Stromnetze in Zukunft mitdenken”

  1. Schnuffel22 sagt:

    Dann halt konkret: Das Foto oben ist ganz offensichtlich diese hier:

    http://www.flickr.com/photos/energiedebatte_ch/5765092574/

    Woran erkenne ich hier bitte den Autor und die Lizenz des Bildes?

    • Ramon sagt:

      “In December 2007, Stelmach threatened legal aciton against Dave Cournoyer, a handsome devil and all-around nice guy, for misappropriating Stelmach’s persona…”Does that better reflect the Albertan magnate that is daveberta?

  2. Schnuffel22 sagt:

    So sieht diese Seite um 0:20 am 11. Oktober 2013 aus:
    http://pl.vc/37o2y
    Kein Hinweis auf Fotograf oder Lizenz

  3. Jonas Gerding sagt:

    Lieber Schnuffel22,

    Danke für den Hinweis. Die Rechte für das Bild hatten wir selbstverständlich schon damals geklärt. Wir haben die Nennung des Urhebers nun nachgeholt.

    Viele Grüße,

    das NeunKw-Team

  4. Schnuffel22 sagt:

    Hallo,

    ich wiederhole mich wirklich nur ungerne, aber ein Foto wie dieses, das unter CC-Lizenz steht, muss auch so gekennzeichnet sein. Das heißt in dem Fall: Autorennennung (ist erfüllt) sowie Lizenznennung und Verlinkung (nicht erfüllt), damit jeder weiß, unter welchen Bedingungen es zu benutzen ist. Was fehlt ist also ein Link auf die Lizenz “CC BY 2.0″ (Von den CC-lizenzen gibt es nämlich einige). Lizenzverlinkung ist wirklich elementarer Bestandteil der CC-Lizenzen. Auch gestandene Redaktionen machen das immer noch häufig falsch.

    • Jakob Struller sagt:

      Lieber Schnuffel22,

      noch einmal danke für den Hinweis. Unter dem Text steht jetzt ein Hinweis auf den Bild-Link und die Lizenz. Um weiteren Diskussionen vorzubeugen: Es steht nicht direkt am Bild, weil das nachträglich für uns nicht ganz einfach wäre. Das ist unseres Erachtens aber auch nicht nötig. In der Lizenz heißt es lediglich, dass darauf hingewiesen werden muss. Das ist jetzt der Fall.

      Herzliche Grüße
      das NeunKw-Team

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