Heizen mit Holz – wo die Alternative zum Streitfall wird
29. Oktober 2012

Heizen mit Holz – warum die Alternative zum Streitfall wird

Für die einen sind Holzpellets-Heizungen eine ökologisch und wirtschaftlich vernünftige Alternative zu fossilen Brennstoffen. Für die anderen gefährden sie den deutschen Wald.

Wir hatten es fast vergessen: Bevor wir anfingen, unsere Behausungen im Winter mit Kohle, Öl oder Gas zu beheizen, sorgte Holz für die Wärme in den Stuben und die Energie zum Kochen. Jetzt, wo wir wissen, dass uns fossile Energie irgendwann ausgehen wird, ist Holz wieder in – allerdings in völlig veränderter Form.

Das Heizholz von heute sind die sogenannten Holzpellets. Die kleinen runden Dinger werden – so die EnergieAgentur NRW – unter hohem Druck aus „getrocknetem naturbelassenem Restholz“ gepresst. Genau wie früher die Briketts werden sie ins Haus geliefert und dann in speziellen Pelettöfen verheizt. Zwei Kilogramm haben einen Heizwert von rund zehn Kilowattstunden, was in etwa der Leistung von einem Liter Heizöl oder einem Kubikmeter Gas entspricht. Und, so das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in ihrer Infoschrift „Zahlen und Fakten“: „Das Klima freut sich: Durch den Ersatz von fossilen Energien durch Holz für die energetische Nutzung werden jährlich rund 30 Millionen Tonnen CO2 eingespart.“ Holzpellets gelten als CO2-neutral. Das heißt: Bei der Energieerzeugung mit Holz wird nur so viel Kohlenstoffdioxid freigesetzt, wie zuvor in der Wachstumsphase des Baumes aus der Atmosphäre aufgenommen wurde. Für diese klimagerechte Heizvariante wurde 2003 – initiiert vom nordrheinwestfälischen Umweltministerium – durch die EnergieAgentur NRW die „Kampagne Holzpellets“ ins Leben gerufen. Damals heizten nicht mehr als 600 Haushalte im Rheinland mit Holzpellets. „Wir möchten die Menschen über diese Heizmöglichkeit informieren, mit dem Ziel die Holzpellets bekannt zu machen“, sagt die Leiterin der Kampagne, Heike Wübbeler.

Dieses Ziel ist erreicht worden; manche sprechen von einem regelrechten „Pellet-Boom“. Circa 20.000 Pelletheizungen gibt es inzwischen in NRW, bundesweit sind es rund 150.000. Wer sich einen Holzpelletofen anschafft, erhält staatliche Zuschüsse. Einen weiteren Anreiz stellen die relativ niedrigen Preise für das Brennmaterial dar.

“Das erhöht den Druck auf den Wald”, Förster Peter Wohlleben 

Doch es gibt Kritiker, denen diese Entwicklung Bauchschmerzen bereitet. Der bekannteste von ihnen ist der Förster Peter Wohlleben.  Für ihn überwiegen die Gefahren für den Wald, denn: „Pellethersteller treten als zusätzlicher Holzverbraucher auf und das erhöht den Druck auf den Wald. Dadurch geht man jetzt an Holzreste, die man früher im Wald belassen hat: Wurzelholz, Reisig, Äste. Sie aber beinhalten wichtige Nährstoffe für den Boden. Das wird jetzt alles ausgekehrt und das verschlechtert den Nährstoffgehalt des Bodens.”

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht die Sache eher kritisch. „Wir brauchen jetzt schon viel zu viel Holz“, sagt Nicola Uhde vom BUND-Bundesverband. Sie spricht sich gegen einen Ausbau des Pelletmarkts aus. „Im kleinen Stil ist das ja vielleicht ganz okay, wenn die Leute direkt am Wald wohnen und die Pellets von dort beziehen, aber im großen Stil und wenn Konzerne diese Pellets massiv verfeuern, ist es bedenklich.“

“Holzpellets haben trotz allem ihre Berechtigung”, Heike Wübbeler, EnergieAgentur NRW

Heike Wübbeler kann die Kritik nicht nachvollziehen. „Ich finde“, so die Mitarbeiterin der EnergieAgentur NRW, „die Holzpellets haben trotz allem ihre Berechtigung.“ Sie würden EU-Norm-gerecht aus Sägespänen und Produktionsabfällen hergestellt und daraufhin regelmäßig kontrolliert und zertifiziert. Ihr entscheidender Vorteil sei aber ihre emissionsarme Verbrennung. Außerdem würden die Pellets regional produziert und geliefert. Das erspare lange, unökologische Transporte.

Doch auch die ökologische Karte sticht nicht bei Hauptkritiker Peter Wohlleben: „Es ist schlichtweg ein Irrtum, Holz sei CO2-neutral“, sagt Wohlleben. In einem natürlichen Wald sei es so, dass absterbende Bäume nicht vollkommen abgebaut würden und dadurch CO2 im Boden konserviert werde. Durch das Entfernen von Reisig und Ästen entnehme man dem Boden das CO2, erklärt Wohlleben. „Klimatechnisch ist Holz also keine bessere Alternative.”

Peter Wohlleben hatte sich übrigens vor einigen Jahren selber eine Pelletheizung zugelegt. “Jetzt nach meinen Recherchen“, so der Förster, „kann ich das nicht mehr gut heißen.“


Titelfoto: EnergieAgentur.NRW/Aktion Holzpellets


3 Responses to “Heizen mit Holz – warum die Alternative zum Streitfall wird”

  1. MG sagt:

    Hallo – was mir leider an dem Artikel fehlt ist ein Aufzeigen von wirklichen Alternativen. Nach heutigem Stand der Technik gibt es keine wirklich 100% umweltverträgliche Art zu heizen. In diesem Sinn sehe ich tatsächlich Pellets als Alternative, die in einigen Fällen (in unserer Siedlung gibt es keinen Gasanschluss, wobei hier auch die öko-katastrophalen Off-Shore-Bohrungen zum Tragen kommen, Erdwärme kommt aufgrund der geologischen Beschaffenheit nicht in Betracht und eine Luft-Wärmepumpe ist ja bekanntlich keine wirklich ökologische Alternative aufgrund des Stromverbrauchs bei kalten Temperaturen) auch ökologisch sehr sinnvoll sein kann.
    Wichtig ist doch, dass der Rohstoff nachwachsend ist, zu einem hohen Prozentsatz CO2-positiv ist und die Verbrennungsbelastung möglichst gering und mit Solar kombinierbar ist. In unserem Fall wäre sonst nur ein Weiterbetrieb der Ölanlage möglich gewesen und das diese Heizungsart bei weitem nicht umweltfreundlich ist, wird wohl mittlerweile jedem klar sein.
    Wir setzen also auf Pellets und werden darauf achten, dass diese aus Sägeabfällen erzeigt werden, was den Wald – bis auf die sonstige Holzindustrie – nicht zusätzlich belasten wird.

    • Guten Abend.
      Stimmt fast – ausser mit Sonnenenergie (thermisch). Die ist 100% umweltverträglich – und bleibt es vorallem auch. Das Problem ist nur das Sie leider scheint wann Sie will, und nicht wenn wir es brauchen. Wir haben schon Projektanlagen gefertigt – die im Bestand! eine 80%ige solare Deckung liefern. Wenn dann die restlichen 20% mit Pellet oder Scheidholz nachgefeuert werden – bleibt für alle – und für den Wald auch noch was übrig.
      Energieeffizienz ist der Treibstoff der Zukunft.

      Mit freundlichen Grüssen
      Joerg Lehnert

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